Die FairPlayLiga, ein Lernfeld für das ganze Leben

Ich selbst weiß nicht wie es ist als Kind dem ergebnisorientierten Wettspielbetrieb ausgesetzt zu sein. In meiner Kindheit (Jahrg. 1962) gab es noch keinen organisierten Kinderfußball (Kifu). Bis zum 12. Lebensjahr spielten wir selbst organisiert auf der Straße oder der Bolzwiese, bevor wir die Möglichkeit hatten im Verein zu spielen.

Erst ab 1992 konnte ich aus Elternsicht Erfahrungen mit dem Kifu sammeln. Wie viele andere Väter durchlebte ich mit meinen Söhnen eine bewegte Zeit im Kinder- und Jugendfußball. Zunächst als Vater, dann als Betreuer, Trainer und schließlich als verantwortlicher Jugendleiter. Über die Jahre musste ich dabei beobachten wie sich der Spielbetrieb im Kifu sehr negativ entwickelte.
Das hat aus meiner Sicht mit zunehmendem Erfolgsstreben und Realitätsverlust in unserer bunten und vor allem sehr schnelllebigen Welt zu tun. Erschwerend kommt hinzu, dass mit dem erwachsen werden die kindliche Auffassung zum Spiel verloren geht. Für Erwachsene wird das Spiel zu einer ernsten Sache. Viele Erwachsene haben vergessen wie sie selbst als Kinder waren und projizieren dann ihr eigenes Wunschdenken in das Spiel der Kinder.

Im Dezember 2005 las ich einen Presseartikel über einen Spielabbruch wegen Zuschauerausschreitungen bei einem Kifu-Spiel. Unglaublich! Eine Schlägerei von Eltern, vor den Augen ihrer eigenen 8- bis 9-jährigen Kinder, wegen einer Schiedsrichterentscheidung. Das schockierte mich so sehr, dass ich zunächst meine eigene Jugendarbeit in Frage stellte. Für mich gab es zwei Optionen. Entweder ich höre auf oder ich verändere etwas!
Ich habe mich für den schwereren Weg entschieden und überlegte, wie man die teils respektlosen Emotionen rund um den Spielbetrieb im Kifu beruhigen und abbauen kann. Gedanklich entwickelte ich eine einfache, leicht verständliche Spielform, die auf drei Respektregeln aufbaut. In meinem Kerkrader Freund John Heckman fand ich einen erfahrenen Mitdenker.
Mit dem fertigen Plan "FairPlayLiga" (FPL) trat ich an den Fußballkreis Aachen heran. Dort erkannte man den Lösungsansatz und wir starteten im Frühjahr 2007, in Zusammenarbeit mit 12 Vereinen, ein Pilotprojekt. Nach anfänglichen Unsicherheiten entwickelte sich die FPL stetig weiter und ist heute eine Erfolgsgeschichte.

Für diese Initiative erhielt ich 2010 vom DFB den Sonderpreis Fair ist mehr, vom KNVB 2011, gemeinsam mit John Heckman, das Label Meer dan Voetbal und im Januar 2012 den Egidius Braun Preis. Im Februar und März 2013 berieten die Jugendobleute aus ganz Deutschland bei ihren Jugendfachtagungen über die FPL und erteilten dem DFB-Jugendausschuss den Auftrag, die Spielform FPL in die Jugendordnung des DFB aufzunehmen.

Nach dem furchtbaren Totschlag an dem niederländischen Linienrichter in Almere/Amsterdam ging es in Holland sehr schnell. Nach Testspielen im April startete der KNVB (Niederländische Fußballbund) im Mai 2013 ebenfalls mit der FPL- im Bezirk Zuid II.

Auch der Schweizer Fußballverband hat in seinem neuen Kinderfußballkonzept von 2013 die Regeln der FPL verankert (Seiten 19-21).
                      ..........................................................................
Dieses Video (FVM-TV) zeigt die Entwicklung und Perspektive der FPL. Es entstand im Februar 2011 beim FVM-Workshop FairPlayLiga in der Sportschule Hennef. Unter den über 100 Gästen waren auch Vertreter aus weiteren Landesverbänden. Der Startschuss für die bundesweite Verbreitung der FPL war gefallen. Herbert Fandel, einer der Referenten, Vorsitzender der Schiedsrichterkommission des DFB und Schirmherr der FPL-Schiedsrichterregel, spricht in diesem Video (DFB-TV) die Kernbotschaft aus. ".........danach änderte sich der Spielcharakter".

Homepage der FPL:
www.fairplayliga.de

Meine Sichtweise zur FPL:
Kinderfußball ist keine heile Welt. Ganz im Gegenteil!

Dokumentation für mögliche Unterstützer